AOK im Dialog: Gesundheitskasse will Hausarztverträge und Facharztverträge verknüpfen
(v.l.) Dr. Christopher Hermann, Prof. Eberhard Wille, Dr. Herbert Reichelt, Hans-Bernhard Henkel-Hoving, Dr. Edmund Edelmann, Dipl.-Psych. Dieter Best.
(06.11.09) Die AOK will durch die Verbindung von Hausarztverträgen und selektiven Verträgen mit Fachärzten die Versorgung für ihre Versicherten verbessern. Ziel sei eine "gut verzahnte" Behandlung, sagte Dr. Herbert Reichelt, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, am Donnerstag (5. November) auf der Fachtagung "AOK im Dialog". Eine hausarztzentrierte Versorgung könne eine gute Basis sein, um AOK-Versicherten, die eine weitergehende Behandlung brauchen, zeitnah Zugang zum Facharzt zu ermöglichen. Auch eine leitliniengerechte und strukturierte Diagnose bestimmter Erkrankungen durch die Hausärzte könne durch die Verknüpfung von Hausarztverträgen und selektiven Verträgen mit Fachärzten gefördert werden. Dr. Christopher Hermann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, benannte Voraussetzungen, um erfolgreich Selektivverträge zu schließen. Er stütze sich dabei auf die Erfahrungen der AOK Baden-Württemberg mit dem dortigen Hausarztvertrag. Zentral, so Hermann, sei unter anderem, dass die Vertragspartner managementfähig seien und eine Affinität zur Informationstechnologie hätten.
Bei der Veranstaltung wurden beispielhaft die Indikationen Rheuma und Depressionen vorgestellt. Für Patienten mit diesen Erkrankungen gibt es aktuell Mängel in der Versorgung, die die AOK durch selektive Verträge aufgreifen will. Dr. Edmund Edelmann, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen, erklärte, mit einer zeitnäheren Überweisung von rheumakranken Patienten an internistische Rheumatologen ließe sich die Lebensqualität und die Lebenszeit der Betroffenen enorm steigern sowie die Folgekosten der Erkrankung senken. Auch Diplom-Psychologe Dieter Best, Bundesvorsitzender der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung, benannte Mängel in der Versorgung psychisch Kranker, darunter zu lange Wartezeiten auf eine Psychotherapie. Außerdem erhielten zu viele Menschen Antidepressiva, ohne dass bei ihnen eine entsprechende Krankheit diagnostiziert worden sei. Er mahnte mehr Krisenintervention und Gruppentherapien statt der üblichen Einzeltherapien an.
Der AOK-Bundesverband arbeite an entsprechenden Konzepten, betonte Reichelt. Die Gesundheitskasse sehe sich bei diesem Weg nicht in einem Gegensatz zu den Kassenärztlichen Vereinigungen: "Pflichtpartner kann es bei selektiven Verträgen aber auch nicht geben", so Reichelt. Der Zwang zum Abschluss von Hausarztverträgen habe die Entwicklung managementfähiger Versorgungsstrukturen aus Sicht des AOK-Bundesverbandes eher verzögert als vorangebracht.
Prof. Eberhard Wille, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, meinte, die rechtlichen Rahmenbedingungen böten derzeit genug Optionen, um Selektivverträge zu schließen. Das 2007 in Kraft getretene Vertragsarztrechts-Änderungsgesetz habe die Möglichkeiten für Fachärzte gestärkt, mit Krankenhäusern in Konkurrenz zu treten. Wille wies darauf hin, dass Selektivverträge mehr Erfolg hätten, wenn man den Leistungserbringern positive Anreize setze, etwa in Form einer attraktiven Vergütung.
Von der neuen Regierung erwartet Reichelt eine "produktive Weiterentwicklung" des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) und der leistungsorientierten Vergütungssysteme. Der Morbi-RSA habe den Weg frei gemacht für einen Wettbewerb um die beste Versorgung. Eine Krankenkasse könne unter den neuen Rahmenbedingungen nur bestehen, wenn sie Kompetenz in diesem Bereich entwickle. "Der Markenkern der AOK ist das Sicherheitsversprechen an ihre Versicherten, dass sie im Krankheitsfall eine gute und umfassende Behandlung erhalten", sagte Reichelt. Die Marktforschung habe gezeigt, dass die Versicherten von ihrer Krankenkasse vor allem eine optimale Versorgung bei ernsthaften Erkrankungen erwarten.
Materialien zur Veranstaltung:
Begrüßung Dr. Herbert Reichelt
Vorsitzender des Geschäftsführenden Vorstandes des AOK-Bundesverbandes
Zur notwendigen Weiterentwicklung des Vertragswettbewerbs in der GKV
Prof. Dr. Eberhard Wille, Universität Mannheim, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen
Gatekeeping und Gateopening: Neue Managementgrundlagen für Hausarztverträge
Dr. Christopher Hermann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg
Versorgungskonzept rheumatoide Arthritis
Dr. Edmund Edelmann, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen
Chronifizierung vermeiden: Krisenintervention bei Depressionen
Diplom-Psychologe Dieter Best, Bundesvorsitzender der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung
Innovative Versorgungsformen der AOK – Perspektiven nach der Bundestagswahl - Folienvortrag von Dr. Herbert Reichelt
Vorsitzender des Geschäftsführenden Vorstandes des AOK-Bundesverbandes
Versorgung als Markenkern der AOK - Statement von Dr. Herbert Reichelt
Vorsitzender des Geschäftsführenden Vorstandes des AOK-Bundesverbandes
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